Teilhabe & Inklusion
25.9.2026

Digitale Teilhabe im Pflegeheim scheitert oft am WLAN

Nur rund zwei Drittel der Pflegeheime bieten Bewohner:innen WLAN im Zimmer. Was die Lücke für digitale Teilhabe und Bargeldverwaltung in der Altenhilfe bedeutet.

Digitale Teilhabe beginnt nicht bei der App, sie beginnt beim Netz. In mehr als einem Drittel der deutschen Pflegeeinrichtungen fehlt Bewohner:innen bis heute ein eigener Internetzugang im Zimmer, zeigt eine Auswertung von mehr als 2.300 MDK-Qualitätsberichten. Eine aktuelle Sonderausgabe der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie macht die Lücke 2026 zum wissenschaftlichen Thema, mit direkten Folgen auch für die digitale Bargeldverwaltung in der Altenhilfe. Wer über digitale Teilhabe im Alter spricht, muss zuerst über Netzinfrastruktur sprechen.

WLAN ist noch immer keine Selbstverständlichkeit

2018 bot laut einer Befragung von 575 Einrichtungsleitungen nur gut ein Drittel der Pflegeheime seinen Bewohner:innen WLAN an, mehr als 80 Prozent davon gegen Aufpreis, nur 6 Prozent kostenlos. Fünf Jahre später hat sich die Lage verbessert, gelöst ist sie nicht: Eine Auswertung von 2.333 MDK-Qualitätsberichten mit Zimmerangabe zeigt für 2023 einen Internetzugang in rund 63 Prozent der Zimmer. Umgekehrt heißt das: In mehr als jedem dritten Heim bleibt der eigene Netzzugang die Ausnahme, nicht die Regel. Der Bundesverband der Verbraucherschutzorganisation BIVA kritisiert diesen Zustand seit Jahren als strukturelle Benachteiligung von Menschen, die auf stationäre Pflege angewiesen sind. Für Angehörige, Betreuer:innen und Einrichtungen ist das mehr als ein Komfortproblem: Ohne Netzanschluss bleiben auch digitale Verwaltungsprozesse, von der Terminplanung bis zur Bargeldfreigabe, auf Papier und Einzelfallentscheidung angewiesen.

Warum die Lücke jetzt zum Forschungsthema wird

Die Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie widmet der Frage 2026 eine eigene Sonderausgabe. Die Begleitstudie zum Bundesprojekt DiBiWohn, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung von 2020 bis 2025, nennt fehlendes WLAN neben knappen Endgeräten und Personalmangel als eine der zentralen Gelingensbedingungen für digitale Bildung und Teilhabe in Wohn- und Pflegeeinrichtungen. Befragt wurden Projektmitarbeitende und Einrichtungsleitungen in mehreren Standorten, ausgewertet über Experteninterviews und Fallanalysen. Das eigentliche Problem liegt tiefer als die einzelne Einrichtung: Ohne Netzanschluss laufen weder Videotelefonie mit Angehörigen noch digitale Bewohner-Apps, ganz gleich, wie gut die einzelne Anwendung konzipiert ist. Genau darauf setzen inzwischen auch Einrichtungen, die ihre Taschengeld- und Verwahrgeldprozesse digitalisieren. Bargeldverwaltung per App, digitale Freigaben, Kontostandsabfragen in Echtzeit: All das braucht ein stabiles Netz als Fundament, nicht als Kür obendrauf. Fehlt es, verschiebt sich jede Digitalisierungsinitiative auf unbestimmte Zeit, unabhängig vom Budget.

Infrastruktur zuerst, dann die Anwendung

Teilhabe und Verwaltungsentlastung sind hier keine Gegensätze: Beide brauchen dieselbe Grundlage. Träger, die jetzt in WLAN investieren, schaffen zugleich die Voraussetzung für digitale Bargeld- und Taschengeldprozesse, die Bewohner:innen selbstbestimmter über das eigene Geld verfügen lassen, statt auf eine Bezugsperson mit Bargeldkassette angewiesen zu sein. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen wir im Beitrag zur digitalen Teilhabe und Barbetragsverwaltung im Alter. Parto bildet als digitale Zahlungsinfrastruktur für die Sozialwirtschaft genau diesen Übergang ab: von der Netzanbindung zur digitalen Bargeldverwaltung, revisionssicher und ohne Medienbruch. Drei Dinge sollten Einrichtungen jetzt prüfen: WLAN-Abdeckung in den Bewohnerzimmern, klare Verantwortlichkeit für den Rollout, und ob digitale Geldprozesse von Anfang an mitgedacht werden, statt Jahre später nachgerüstet zu werden. Wer die Reihenfolge umdreht und zuerst eine App einführt, ohne die Netzanbindung zu klären, verschiebt das eigentliche Problem nur um ein Jahr nach hinten.

Fazit

Die WLAN-Lücke ist kein Randthema, sie ist die Grundvoraussetzung für digitale Teilhabe. Wer jetzt investiert, schafft die Basis für mehr als Video-Calls mit Angehörigen: für digitale Bargeldverwaltung, die Bewohner:innen Kontrolle über das eigene Geld zurückgibt. Digitalisierung und Teilhabe ziehen hier an einem Strang, vorausgesetzt, das Netz steht.

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