Die manuelle Bargeldverwaltung bindet Zeit, die in der Pflege fehlt. 24 Einrichtungen haben in sechs Monaten auf digitale Verwahrgeldverwaltung umgestellt.

Bargeld zählen, Belege von Hand sortieren, am Monatsende die Kasse abstimmen: In vielen Einrichtungen der Sozialwirtschaft bindet die Verwaltung von Verwahrgeld noch immer Zeit, die in Pflege und Begleitung fehlt. Dass sich das ändern lässt, zeigt sich inzwischen im Maßstab. Allein in den vergangenen sechs Monaten haben sich 24 weitere Einrichtungen für die digitale Verwahrgeldverwaltung von Parto entschieden. Die Fachzeitung care konkret hat diese Entwicklung in ihrer Ausgabe 26 aufgegriffen.
Der Aufwand liegt selten beim Geld selbst. Er liegt in den analogen Abläufen, die sich darum herum aufgebaut haben. Bargeld wird beschafft, transportiert und gezählt, Belege werden händisch dokumentiert, und nicht selten gehen Mitarbeitende privat in Vorleistung, bis die Kasse wieder stimmt. André Bußkamp, Ressortleiter Beratung und Wohnen beim Caritasverband für den Kreis Coesfeld, nennt diese analogen Finanzprozesse gegenüber care konkret ein strukturelles Problem. Fachkräfte, die eigentlich begleiten und pflegen sollen, landen in der Buchhaltung, weil die Belegpflicht keine Lücke duldet. Das kostet zweierlei: Zeit, die in der Versorgung fehlt, und Motivation in einem Beruf, den Menschen aus Überzeugung gewählt haben. Hinzu kommt der strukturelle Druck: Wo Fachkräfte knapp sind, wiegt jede Stunde am Kassenbuch doppelt.
Das 2023 in Hamburg gegründete Unternehmen Parto ersetzt die manuelle Verwaltung von Verwahrgeldern und Ausgaben der Bewohner:innen durch digitale Prozesse. Statt Barkasse arbeiten Einrichtungen mit individuell konfigurierbaren Zahlungskarten, automatisierten Zahlungsprozessen und einem Verwahrgeldsystem, das sich in bestehende Verwaltungs- und Buchhaltungssoftware wie Connext Vivendi, SAP oder DATEV einbindet. Im Hintergrund stehen Visa, die Hamburg Commercial Bank und die Volksbank Mittweida. Im Einsatz ist die Lösung nach Unternehmensangaben bereits bei Trägern der Diakonie und der Caritas, bei der Lebenshilfe sowie bei privaten Trägergruppen. Wie eine solche Umstellung konkret aussieht, zeigt die Case Study zur digitalen Geldverwaltung bei Dr. Loew. Frank Reimer, bei der Diakonie Nord Nord Ost für die digitale Transformation verantwortlich, beschreibt das Ergebnis gegenüber care konkret nüchtern: Kassenführung, Belege und Abstimmung laufen weitgehend digital im Hintergrund. Weniger Bürokratie, mehr Zeit für die Bewohner:innen.
Der eigentliche Hebel liegt tiefer als bei der reinen Verwaltungsentlastung. „Wer nicht selbstständig bezahlen kann, ist in vielen Bereichen vom modernen Alltag ausgeschlossen", sagt Parto-Mitgründer und Geschäftsführer Jes Hennig. Digitale Teilhabe beginnt beim Einkaufen und bei der Verfügung über kleine Beträge im Alltag. Genau hier setzt die digitale Verwahrgeldverwaltung an: Sie bildet Verwahrgeld, Belegpflicht und Abrechnung je Klient:in revisionssicher ab und macht das Bezahlen so alltagstauglich, wie es im Rest der Gesellschaft längst ist. Konkret heißt das: eine Zahlungskarte statt Barkasse, jede Buchung einer Klientin oder einem Klienten zugeordnet, jeder Beleg direkt am Punkt der Erfassung digital hinterlegt. Entlastung und Teilhabe sind dabei keine Gegensätze. Wie digitale Zahlungen Pflegekräfte konkret entlasten und zugleich Teilhabe schaffen, haben Reimer und Bußkamp gemeinsam mit Parto auf der Altenpflege 2026 gezeigt, festgehalten im Panel-Recap zu digitalen Zahlungen in der Pflege. Langfristig will Parto den Standard für den Umgang mit Klientengeldern in der Sozialwirtschaft neu definieren. Der Zuwachs der vergangenen Monate deutet an, dass die Branche diesen Weg mitgeht.
Digitale Verwahrgeldverwaltung ist längst keine Ausnahme mehr, sondern wird zum Standard, den die Branche sich selbst gibt. 24 Einrichtungen in sechs Monaten sind kein Wachstumsversprechen, sondern ein Beleg: Wer analoge Kassenprozesse ablegt, gewinnt Zeit für die Menschen und öffnet zugleich den Weg zu echter Teilhabe.
Quelle: care konkret, Ausgabe 26 vom 26. Juni 2026, Seite 16, „Digitale Teilhabe statt Bargeldverwaltung". Mehr auf www.carekonkret.net.