Produkt & Company News
5.5.2026

Altenpflege 2026: Wie digitale Zahlungen Pflege entlasten

Auf der Altenpflege 2026 hat Parto mit Frank Reimer (Diakonie Nord Nord Ost) und André Bußkamp (Caritas Coesfeld) Position bezogen: Bargeld ist nicht das Problem — die analogen Prozesse drumherum sind es.

Auf der Altenpflege 2026 in Essen hat Parto-Geschäftsführer Thomas Heuck mit zwei Praktikern aus der Sozialwirtschaft Position bezogen: Frank Reimer von der Diakonie Nord Nord Ost und André Bußkamp vom Caritasverband Coesfeld. Thema des Panels: digitalisieren, entlasten, teilhaben — am konkreten Beispiel von Verwahrgeld und Bargeldprozessen in stationären Einrichtungen. Die Kurzfassung: Das Problem ist nicht das Bargeld selbst, sondern die analogen Verwaltungsprozesse drumherum. Und genau die kosten Pflege heute Zeit, Motivation und Teilhabe.

Was Bargeld-Handling die Einrichtung wirklich kostet

Frank Reimer beschreibt es nüchtern: „Das Handling mit Bargeld ist extrem arbeitsaufwendig." Beschaffung, Transport, Abrechnung, Belegkleberei am Monatsende, Kassenwart-Rolle, Vorschuss-Hinterherlaufen, Betrugs- und Verlustrisiko. André Bußkamp ergänzt die strukturelle Sicht: Die Vorgaben des Medizinischen Dienstes und die Belegpflicht binden Mitarbeitende an Prozesse, die mit ihrem eigentlichen Auftrag nichts zu tun haben. Heilerziehungspflegende und Pflegefachkräfte landen in der Buchhaltung, weil sonst niemand da ist. Die Folge ist doppelt: ein zusätzlicher Bürokratielayer, der Fachkräfte beschäftigt, ohne dass sie pflegen oder begleiten. Und ein Motivationsverlust, der über die Zeit zermürbt — gerade in einem Beruf, den Menschen aus Überzeugung gewählt haben. Reimer berichtet von Mitarbeitenden, die offen sagen, sie wollten „nicht mehr Kassenwart sein". Das ist kein Komfortthema, sondern ein struktureller Hebel an der Schnittstelle von Personalbindung, Pflegequalität und Verwaltungseffizienz.

Warum jetzt — und nicht erst, wenn es brennt

Frank Reimer und die Diakonie Nord Nord Ost haben fast zehn Jahre nach einer Lösung gesucht. Sein Argument für jetzt: Die Gesellschaft macht den Schritt vor. McDonald's hat die Bargeldkasse abgeschafft, der Hamburger Verkehrsverbund verkauft Tickets nicht mehr in bar. „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es einen Punkt geben, an dem wir Klient:innen von digitalen Bezahlprozessen ausschließen", warnt Reimer. André Bußkamp setzt die Pointe: Abwarten ist keine Pflicht, aber eine verpasste Chance — gerade angesichts des Fachkräftemangels. Jede Stunde, die nicht in Belegkleben fließt, fließt in Pflegequalität. In dieser Lesart ist die Digitalisierung der Bezahlprozesse keine Nebenaufgabe, sondern direkter Teil der Antwort auf den Engpass, der die Branche heute am stärksten beschäftigt.

Sowohl-als-auch in der Praxis: Karten neben Bargeld

In den Pilotwohngruppen läuft die Lösung bereits. Statt Barkasse haben Mitarbeitende eine personalisierte Visa-Karte. Einkäufe für Klient:innen werden direkt am Punkt der Erfassung abgerechnet — Beleg scannen, hochladen, fertig. Sven, Heilerziehungspfleger in einer Pilotwohngruppe der Diakonie, geht nach dem Einkauf laut Reimer inzwischen ins Café nebenan, scannt seine Belege auf dem Smartphone und ist mit der Verwaltung durch, bevor der Kaffee leer ist. „Allein gewonnene Zeit." Was vorher der lästigste Part der Schicht war, ist nebenher erledigt. Auf die „Rettet das Bargeld"-Stimmen antworten Reimer und Bußkamp explizit: Es geht nicht gegen Bargeld. Klient:innen, für die Bargeld der vertraute Weg ist, behalten ihn. Hybrid heißt: digitale Karten erweitern den Möglichkeitsraum, sie ersetzen ihn nicht — und entkoppeln Einkäufe von Kassenzeiten und Schlüsselbesitz. Auf der Klientenebene zeigt das Modell denselben Effekt: Sorgen um zurückgegebenes Wechselgeld oder verlorene Scheine fallen weg, wo digital bezahlt wird. Klient:innen, die heute selbstständig einkaufen, bekommen perspektivisch eigene Zahlungsmittel — abgestimmt auf ihre individuelle Selbstständigkeit. Nicht für alle, aber für viele eine Stufe mehr Teilhabe. Die Erkenntnisse aus dem Parto-Visa-Positionspapier zeigen: dieser Effekt skaliert.

Fazit

Das Panel hat ein einfaches Bild gezeichnet: Bargeld ist nicht das Problem, die analogen Prozesse drumherum sind es. Wer digitalisiert, bekommt Entlastung für Mitarbeitende, mehr Zeit für Pflege und einen Hebel für echte Teilhabe — heute messbar, nicht morgen versprochen. Wer abwartet, lässt diesen Hebel ungenutzt liegen.