Fachkräfte & Entlastung
7.5.2026

PeBeM 2026: Wo Träger Pflegefachkräfte entlasten

PeBeM 2026 fragt nach dem richtigen Aufgabenmix. Wer Bewohnergeld digital abbildet, holt eine Routinearbeit aus dem Pflegealltag, die dort nichts zu suchen hat.

Seit dem 1. Januar 2026 gilt PeBeM 2026 als Pflicht — das neue Personalbemessungsverfahren nach § 113c SGB XI ersetzt die starre Fachkraftquote durch einen Qualifikationsmix von 40 Prozent Fachkräften, 30 Prozent Assistenzkräften und 30 Prozent Hilfskräften. In der Theorie heißt das Entlastung: Pflegefachkräfte konzentrieren sich auf komplexe Tätigkeiten, Routinearbeit wandert nach unten. In der Praxis fragen sich Träger zuerst etwas anderes: Welche Aufgaben gehören eigentlich nicht in die Hände einer Pflegefachkraft?

Was PeBeM 2026 strukturell verändert

Mit der verpflichtenden Personalbemessung verschwindet die alte Faustregel „Fachkraftquote". Stattdessen wird die Belegung nach Pflegegraden bewertet, der Personalbedarf modular berechnet — eine Einrichtung mit hohem Anteil an Pflegegrad 4 und 5 hat einen anderen Soll-Schlüssel als ein Haus mit jüngerer Belegung. Drei Qualifikationsniveaus teilen sich die Arbeit: QN 4 und 5 (examiniert) übernehmen Pflegeplanung, Behandlungspflege und Risiko-Entscheidungen; QN 2 und 3 (Assistenzkräfte) sind für Grundpflege zuständig; QN 1 (Hilfskräfte) deckt Begleitung, Hauswirtschaft und Routinetätigkeiten ab. Der Altenpflege-Branchenbericht 2026 dokumentiert: Der größte Engpass liegt nicht bei den Fachkräften, sondern bei den Assistenzkräften — viele Häuser kommen rechnerisch auf den Soll-Mix, finden die Köpfe aber nicht am Markt. Wer den Mix erreichen will, muss Aufgaben sauber zuordnen können. Aufgaben, die heute aus historischen Gründen bei der Pflegefachkraft hängen bleiben, fallen plötzlich auf — und die Frage stellt sich: Müssen die da hin?

Die unsichtbare Stelle: Verwaltungsroutine

PeBeM macht zwei Aufgaben-Kategorien sichtbar, die jahrelang unter dem Radar liefen. Die erste ist medizinisch-pflegerische Routine, die delegiert werden kann: Lagerung, Mobilisation, Grundpflege. Die zweite — und das ist die strukturell interessantere — sind Verwaltungsroutinen, die in keiner Qualifikationsstufe sauber abgebildet sind. Die Verwaltung von Bewohnergeldern ist das Paradebeispiel. Bargeld in den Wohnbereich holen, Belege sammeln, am Quartalsende verbuchen, Kassendifferenzen klären — das landet in der Praxis bei der Pflegefachkraft, weil es Vertrauenssache ist und niemand sonst gerade da ist. Der Vorgesetzte aus dem Altenpflege-Bericht 2026 beschreibt es nüchtern: Mitarbeitende wollen „nicht mehr Kassenwart sein". PeBeM zwingt diese Frage auf den Tisch — entweder durch eine vierte Stelle in der Verwaltung, die niemand bezahlt, oder durch Auslagerung. Über Pflegesatzverhandlungen lässt sich das nicht refinanzieren: zusätzliches Personal kostet, der Zukunftspakt Pflege gibt darauf keine klare Antwort.

Drei Hebel, an denen Träger jetzt entlasten

Drei Stellen werden unter PeBeM operativ entscheidend. Erstens die Bewohnergeld-Verwaltung: Wer Verwahrgeld digital abbildet, holt eine zeitfressende Routinearbeit aus dem Pflegealltag — Beleg-Erfassung passiert am Punkt der Ausgabe, der Quartalsabschluss läuft automatisch, der Kassenwart-Rolle entfällt. In der Pilotierung bei der Diakonie Nord Nord Ost waren das laut Panel-Recap zwei Arbeitstage pro Monat, die wieder am Bewohner ankommen. Zweitens die Belegpflicht: Heimaufsicht und Medizinischer Dienst prüfen weiter nach §75 SGB XII, aber die Belegspur muss nicht mehr in Schichten manuell erstellt werden. Drittens die Karten-Provisionierung: Statt Bargeldkasse mit Schlüsselbesitz und Kassenwart-Rolle gibt es personalisierte Karten — Verlustrisiko sinkt, der Belegworkflow wird unabhängig von der Schichtplanung. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Recap zum Altenpflege 2026 Panel zu digitalen Zahlungen. Parto bildet Bewohnergeld, Belege und Karten in einer Infrastruktur ab, die genau die Routinearbeit abnimmt, die unter PeBeM nicht mehr in die Pflegekraftstelle gehört.

Fazit

PeBeM 2026 wird oft als Personalproblem gerahmt — als Engpass bei Assistenzkräften, als Finanzierungslücke. Der eigentliche Hebel liegt anderswo: in den Aufgaben, die ohne nachvollziehbaren Grund bei der Pflegefachkraft kleben. Wer die Verwaltungsroutine jetzt rauszieht, gewinnt zwei Dinge gleichzeitig: Pflegezeit am Bett und einen sauberen Qualifikationsmix. Das ist machbar, wenn Routinearbeit dort landet, wo sie hingehört — nicht beim Personal, sondern in der Infrastruktur.

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